Besonderheiten 2021

Großes Mausohr: die langjährige Wochenstube in Gatow blieb im Jahr  2021 unbesetzt. Anfangs waren noch einige Tiere vorhanden, die zur Wochenstubenzeit aber ausblieben.

Mopsfledermaus: ein Nachweis im Winterquartier in Criewen, dazu einige Nachweise mittels Batlogger.

Teichfledermaus: einige Nachweise mittels Batlogger an der HoFriWa

Fransenfledermaus: neben der seit Langem bekannten Wochenstube im Flemsdorfer Wald wurde nun auch eine zweite im Kastenrevier am Umspannwerk Vierraden gefunden.

Mückenfledermaus: Allgemein ist eine deutliche Zunahme der Art in allen Kastenquartieren festzustellen. Besonders erwähnenswert ist die kopfstarke Wochenstube in einem Wohngebäude mit insgesamt 616 Tieren. Dabei handelt es sich ausschließlich nur um Mückenfledermäuse, wie durch Lautanalyse nachgewiesen wurde.

2021 wurde damit begonnen, die alten Fledermauskästen aus Holz durch solche aus langlebigem und wartungsarmen  Holzbeton zu ersetzen. Mit  Unterstützung durch das Landesumweltamt konnten insgesamt 100 neue Holzbetonkästen angeschafft werden.

Foto: R. Gille

Fledermaus-Update 2020

U.a. gab es 2020 folgende bemerkenswerte Ergebnisse:

Arten nach Anhang 2 der FFH- Richtlinie:

·         Großes Mausohr: Die Wochenstube Gatow hat  mit 85 adulten ♀♀. gegenüber 108 im Vorjahr zwar abgenommen, was aber noch als natürliche Schwankung angesehen werden kann.

Darüber hinaus wurden Einzeltiere durch Lautanalyen in Lunow, Criewen und Schwedt (Park Monplaisier) nachgewiesen.

·         Mopsfledermaus: Einzelnachweis durch Lautanalyse im Gellmersdorfer Wald. Da auch im Vorjahr ganz in der Nähe ein Tier in einem Fledermauskasten gefunden wurde, kann davon ausgegangen werden, dass die Art in diesem Gebiet etabliert ist.

·         Teichfledermaus: Nachweis durch Lautanalyse entlang der Ho-Frie-Wa (Schwedt, Stolpe und Criewen) mit jeweils mehreren Rufreihen.

      Sonstige:

·         Brandtfledermaus: Einzelnachweis eines ♀ durch Netzfang  im Gellmersdorfer Wald.

·         Zwergfledermaus:  Kopfstarke Wochenstuben in Stützkow mit 504, in Zützen mit 177 und in Criewen mit 175 Tieren. Besonders erwähnenswert ist das Quartier in Stützkow, da das Gebäude erst vor 2 Jahren fertiggestellt und noch im gleichen Jahr angenommen wurde.

 ·       Mückenfledermaus: Die Art scheint nach den  Kastenkontrollen und Lautanalysen zuzunehmen

 

 

 

Ein bemerkensweter Wiederfund

Bei einer routinemäßigen Kontrolle unserer Fledermauskästen am 28.8.2018 entdeckten wir in einem Fledermauskasten eine beringte weibliche Fransenfledermaus in Gesellschaft mit 18 weiteren Tieren dieser Art. Die Fledermaus wurde als Jungtier am 17.9.2006 im Landschaftsschutzparkt "Bartschtal" in der Nähe von Ostrow Wielkopolski (Großpolen) beringt, d.h. sie war 12 Jahre alt. 2019 haben wir sie nun dort erneut wiedergrfunden! Fransenfledermäuse haben eine durchschnittliche Lebenserwartung von 3,5 Jahren! Der Fundort in der Nähe des Felchow-Sees bei Schwedt ist 305 km vom Beringungsort entfernt. Fransenfledermäuse gelten als sehr ortstreu, insbesondere die Weibchen. und entfernen sich nur sehr selten mehr als 50 km von ihrem angestammten Revier. Dieser Wiederfund ist also in zweifacher Beziehung sehr bemerkenswert.

Erfassung und Schutz von Fledermäusen

Die Zwergfledermaus, eine der kleinsten einheimischen Arten. Foto: H. Gille
Die Zwergfledermaus, eine der kleinsten einheimischen Arten. Foto: H. Gille

Als wir Ende der 80er Jahre begannen, uns mit Fledermäusen und Fledermausschutz zu beschäftigen, war dazu in unserer Region praktisch nichts bekannt. Angeregt durch die Arbeiten der Gruppe um Dr. Heise in Prenzlau war unser Arbeitsfeld zunächst auf Fledermauskästen für die höhlenarmen Wälder der Region beschränkt. Sukzessive kamen die Einrichtung bzw. Optimierung von Winterquartieren, die Erfassung und Betreuung von Wochenstuben, Ersatz für durch Baumaß- nahmen verlorene Quartiere, das Monitoring mittels Bat- Detektor und durch Netzfang und die Pflege verletzter oder sehr geschwächter Tiere hinzu.

Bis heute konnten 16 von den 18 im Land Brandenburg vorkommenden Fledermausarten nachgewiesen werden, darunter auch die nach der FFH- Richtlinie besonders geschützten Arten Großes Mausohr, Teich- und Mopsfledermaus.

 

Arbeit mit Fledermauskästen

Unser Fledermausspezialist Dr. Helmut Gille bei der Kastenkontrolle. Foto: R. Gille
Unser Fledermausspezialist Dr. Helmut Gille bei der Kastenkontrolle. Foto: R. Gille

Fledermauskästen sind einmal sinnvolle Ersatz- quartiere für ansonsten höhlen- bzw. spalten- arme Wälder. Zum anderen sind sie auch für das Monitoring für eine Reihe von Fledermaus- arten brauchbar, die solche Kästen annehmen.

Wir verwenden fast ausschließlich Flachkästen vom Typ Stratmann. Sie sind relativ einfach herzustellen, wartungsarm und bei Ummantelung mit Dachpappe lange haltbar.

Heute hängen in den umliegenden Wäldern mehrere hundert Fledermauskästen, die mehrmals im Jahr kontrolliert werden. Sie werden vor allem von Rauhhautfledermäusen, Braunen Langohren, Großen Abendseglern und Fransenfledermäusen, daneben auch von Teich-, Mücken- und Zwergfledermäusen als Einzel-, Paarungsquartier und auch als Wochenstuben genutzt.

Im Jahr 2011 registrierten wir z.B. 5 Wochenstuben der Rauhhautfledermaus mit insgesamt ca. 90 adulten Weibchen.

 

Ein Blick in einen Kasten mit einer Wochenstube der Fransenfledermaus. Foto: H. Gille
Ein Blick in einen Kasten mit einer Wochenstube der Fransenfledermaus. Foto: H. Gille
Fledermauskästen können auch an Gebäuden angebracht werden. Hier eine gemeinsame Initiative des NABU mit der Stadtverwaltung Schwedt im Rahmen einer Gebäudesanierung. Foto: H. Gille
Fledermauskästen können auch an Gebäuden angebracht werden. Hier eine gemeinsame Initiative des NABU mit der Stadtverwaltung Schwedt im Rahmen einer Gebäudesanierung. Foto: H. Gille
Über dem oberen mittleren Fenster erkennt man den Einschlupfspalt. Foto: H. Gille
Über dem oberen mittleren Fenster erkennt man den Einschlupfspalt. Foto: H. Gille

Die zahlreichen Plattenbauten der Stadt Schwedt boten für Fledermäuse mit ihren vielen Ritzen-, Spalten und Löchern ideale Sommer- und Winterquartiere, die im Zuge der Gebäude- Sanierungen und des Rückbaus nach 1990 verlorengingen. In guter Zusammenarbeit unseres NABU- Regionalverbandes mit den örtlichen Wohnungsbaugesellschaften wurden bei diesen Baumaßnahmen auch viele geeignete Ersatz- quartiere geschaffen. So wurden z.B. bei der Fassadengestaltung Flachkästen in die Wärme-dämm- Schicht eingebaut. Eine andere Möglichkeit boten die im Dachbereich vorhandenen und mit einer Lamellenkappe verschlossenen Lüftungslöcher. Durch Herausbrechen von zwei Lamellen wurden die Dachböden für Fledermäuse zugänglich gemacht.

Netzfang

Eine weitere Möglichkeit des Monitorings ist der Netzfang. Wir verwenden dafür feine Haarnetze in den Abmessungen ca. 10x3 m. Mittels dieser Methode gelang uns der Nachweis so bedeutender Arten wie Großes Mausohr, Mopsfledermaus und Graues Langohr.

Ein Braunes Langohr im Netz. Die Fäden sind so dünn, dass sie von den Fledermäusen nicht geortet werden können. Foto: H. Gille
Ein Braunes Langohr im Netz. Die Fäden sind so dünn, dass sie von den Fledermäusen nicht geortet werden können. Foto: H. Gille
Eine gerade gefangene Mopsfledermaus vor dem Abflug. Foto: H. Gille
Eine gerade gefangene Mopsfledermaus vor dem Abflug. Foto: H. Gille

Betreuung von Sommerquartieren

Die Erfassung von Sommerquartieren in und an Gebäuden und in Baumhöhlen ist aufwendig. Oft werden sie durch Hinweise aus der Bevölkerung oder zufällig entdeckt.

Der Dachboden mit der Mausohr- Kolonie nach den Umbauten. Fotos: H. Gille
Der Dachboden mit der Mausohr- Kolonie nach den Umbauten. Fotos: H. Gille

Die bedeutendste Fledermaus- Wochenstube in unserer Region ist die des Großen Mausohrs auf dem Dachboden eines Einfamilienhauses mit durchschnittlich ca. 80 adulten Weibchen. Bei dieser Größenordnung ist die Toleranz durch die Eigentümer schon nicht mehr selbstverständlich und Hilfe und Unterstützung erforderlich. Zur Entlastung der Familie haben wir eine Zwischendecke eingezogen. Die Haupthangplätze wurden mit Brettern neu gestaltet, um weitere Beschädigungen der Unter- spannfolie zu vermeiden. Die Mausohren haben dies problemlos toleriert.

In den letzten Jahren hat sich der Bestand leicht erhöht. Anfang Juni 2015 wurden bei der Zählung des Ausflugs der adulten Weibchen 103 Tiere ermittelt.

Der Pfeil kennzeichnet die Spechthöhle mit den Wasserfledermäusen. Fotos: H. Gille
Der Pfeil kennzeichnet die Spechthöhle mit den Wasserfledermäusen. Fotos: H. Gille

 

 

 

 

Fledermausquartiere in Baumhöhlen verraten sich oft durch eine am Baumstamm herab- laufende schwarz-braune Spur, wie hier die Wochenstube der Wasserfledermaus mit 32 adulten Weibchen (2011) in einer Eiche in einem Schwedter Park. Solche Bäume gilt es zu bewahren. Besonders wenn sie in der Nähe von Wegen stehen, besteht immer die Gefahr einer Fällung aus Gründen der Verkehrssicherungspflicht. Bei der Stadtverwaltung der Stadt Schwedt haben wir dabei stets Verständnis und gemeinsam Lösungen gefunden.

Schaffung und Optimierung von Winterquartieren

In unserer Region gibt es nur wenige bekannte Fledermauswinterquartiere. Wir haben es deshalb zu einer unserer Hauptaufgaben gemacht, potentiell geeignete Quartiere zu finden, um diese entsprechend herzurichten bzw. zu optimieren. Hier einige Beispiele:

 

  • Im Zuge einer Straßenbegradigung der B2 bei Gartz sollte eine nicht mehr benötigte Brücke abgerissen werden. Nach von uns beantragter Änderung des Planfeststellungsbeschlusses wurde uns das betreffende Flurstück kostenlos übertragen und von uns als Winterquartier eingerichtet. Dazu wurde der eine vorher offene Bogen zugemauert und mit Einflugschlitzen und einer Kontrollöffnung versehen. Inzwischen sind hier das Braune Langohr, Fransen- und Wasserfledermäuse eingezogen. Hier die Brücke im Urzustand und nach dem Umbau: Fotos: H. Gille

 

  • Eine ehemalige Güllegrube wurde zur Isolierung mit einer Erdschicht überdeckt und die Öffnung mit einem geschlitzten Deckel versehen. Hier konnten wir schon 4 Arten nachweisen. Die Bilder zeigen die Einstiegsluke und ein Cluster darin überwinternder Wasserfledermäuse. Fotos: H. Gille
  • Inmitten der Feldmark nördlich von Gartz fanden wir einen noch intakten Keller eines nicht mehr vorhandenen Bauernhauses. Zum Glück haben wir handwerklich versierte Nabu- Mitglieder. Die Tür wurde zugemauert und mit einer einbruchsicheren Einstiegsluke versehen. Mit 3 überwinternden Arten ist dies inzwischen ein bedeutendes Winterquartier. NABU- Mitglied Klaus Warnhoff bei der Arbeit und das Ergebnis: Fotos: H. Gille

Leider haben wir es immer wieder mit Vandalismus zu tun, wie hier 2014 eine aufgebrochene Tür. Die im Keller winterschlafenden Fledermäuse haben das trotz des Kälteeinbruchs überstanden. Inzwischen ist ein fast einbruchsicherer Zugang installiert. Fotos: H .Gille

Winterquartierkontrollen

Regelmäßig werden Ende Januar alle bekannten Winterquartiere kontrolliert und die vorkommenden Arten und die Anzahl der Tiere erfaßt. 2012 war dabei überdurchschnittlich. Auch die in userer Region so seltenen Arten Mopsfledermaus, Großes Mausohr und Graues Langohr konnten wieder nachgewiesen werden.

Pfleglinge

Eine Zwergledermaus verspeist einen Mehlwurm. Foto: H.Gille
Eine Zwergledermaus verspeist einen Mehlwurm. Foto: H.Gille

Vor allem im Winter kommt es immer wieder vor, dass Fledermäuse in hilflosem Zustand gefunden werden. Hier sollte immer ein Sach- kundiger hinzugezogen werden, der vom NABU oder auch von der jeweiligen Unteren Naturschutzbehörde vermittelt werden kann. Gegebenenfalls ist das Tier zu sichern, indem man es in einen kleinen mit einem Papiertaschentuch oder Stofftuch ausgelegten Karton setzt. Fledermäuse sollten immer mit Hand- schuhen angefasst werden, denn sie können schon mal kräftig zubeißen, wenn sie sich bedroht fühlen.

Außer bei offenen Brüchen oder inneren Verletzungen ist die Prognose nach unseren Erfahrungen meist gut. Oft reicht eine Pflege durch Versorgung mit Futter und Wasser, um die Tiere wieder fit zu machen. Sie gewöhnen sich recht schnell an das für sie neue Futter, in der Regel Mehlwürmer, und an die Prozedur und den Pfleger. In der Anfangsphase braucht man aber manchmal auch viel Geduld und Zeit. Im Extremfall hatten wir einmal 22 Zwergfledermäuse gleichzeitig über mehrere Wochen in Pflege, ehe sie wieder in die Freiheit entlassen werden konnten. Das bedeutete einen täglichen Zeitaufwand von 4-5 Stunden und zog sich oft bis Mitternacht und darüber hinaus hin.

In der Regel sind es Zwergfledermäuse, die uns gebracht werden oder abgeholt werden müssen. Aber auch Große Abendsegler, Breitflügel- und Zweifarbfledermäuse und im Ausnahmefall ein Kleinabendsegler hatten unsere Experten schon in Pflege

 

Dieser Kleinabendsegler wurde im Sept. 2011 völlig entkräftet in einem Vorgarten gefunden. Nach drei Wochen Pflege war er wieder hergestellt.
Dieser Kleinabendsegler wurde im Sept. 2011 völlig entkräftet in einem Vorgarten gefunden. Nach drei Wochen Pflege war er wieder hergestellt.
Nach Störung in ihrem Winterquartier musste auch diese Breitflügelfledermaus zeitweilig in Pflege genommen werden. Foto: H.Gille
Nach Störung in ihrem Winterquartier musste auch diese Breitflügelfledermaus zeitweilig in Pflege genommen werden. Foto: H.Gille