Erfassung und Schutz von Fledermäusen

Die Zwergfledermaus, eine der kleinsten einheimischen Arten
Die Zwergfledermaus, eine der kleinsten einheimischen Arten

Als wir Ende der 80er Jahre begannen, uns mit Fledermäusen und Fledermausschutz zu be- schäftigen, war dazu in unserer Region praktisch nichts bekannt. Angeregt durch die Arbeiten der Gruppe um Dr. Heise in Prenzlau war unser Arbeitsfeld zunächst auf Fledermauskästen für die höhlenarmen Wälder der Region beschränkt. Sukzessive kamen die Einrichtung bzw. Optimierung von Winterquartieren, die Erfassung und Betreuung von Wochenstuben, Ersatz für durch Baumaß- nahmen verlorene Quartiere, das Monitoring mittels Bat- Detektor und durch Netzfang und die Pflege verletzter oder sehr geschwächter Tiere hinzu.

Bis heute konnten 16 von den 18 im Land Brandenburg vorkommenden Fledermausarten nachgewiesen werden, darunter auch die nach der FFH- Richtlinie besonders geschützten Arten Großes Mausohr, Teich- und Mopsfledermaus.

 

Arbeit mit Fledermauskästen

Unser Fledermausspezialist Dr. Helmut Gille bei der Kastenkontrolle
Unser Fledermausspezialist Dr. Helmut Gille bei der Kastenkontrolle

Fledermauskästen sind einmal sinnvolle Ersatz- quartiere für ansonsten höhlen- bzw. spalten- arme Wälder. Zum anderen sind sie auch für das Monitoring für eine Reihe von Fledermaus- arten brauchbar, die solche Kästen annehmen.

Wir verwenden fast ausschließlich Flachkästen vom Typ Stratmann. Sie sind relativ einfach herzustellen, wartungsarm und bei Ummantelung mit Dachpappe lange haltbar.

Heute hängen in den umliegenden Wäldern mehrere hundert Fledermauskästen, die mehr- mals im Jahr kontrolliert werden. Sie werden vor allem von Rauhhautfledermäusen, Braunen Langohren, Großen Abendseglern und Fransen- fledermäusen, daneben auch von Teich-, Mücken- und Zwergfledermäusen als Einzel-, Paarungsquartier und auch als Wochenstuben genutzt.

Im Jahr 2011 registrierten wir z.B. 5 Wochen- stuben der Rauhhautfledermaus mit insgesamt ca. 90 adulten Weibchen.

 

Ein Blick in einen Kasten mit einer Wochenstube der Fransenfledermaus
Ein Blick in einen Kasten mit einer Wochenstube der Fransenfledermaus
Fledermauskästen können auch an Gebäuden angebracht werden. Hier eine gemeinsame Initiative des NABU mit der Stadtverwaltung Schwedt im Rahmen einer Gebäudesanierung.
Fledermauskästen können auch an Gebäuden angebracht werden. Hier eine gemeinsame Initiative des NABU mit der Stadtverwaltung Schwedt im Rahmen einer Gebäudesanierung.
Über dem oberen mittleren Fenster erkennt man den Einschlupfspalt
Über dem oberen mittleren Fenster erkennt man den Einschlupfspalt

Die zahlreichen Plattenbauten der Stadt Schwedt boten für Fledermäuse mit ihren vielen Ritzen-, Spalten und Löchern ideale Sommer- und Winterquartiere, die im Zuge der Gebäude- sanierungen und des Rückbaus nach 1990 ver- lorengingen. In guter Zusammenarbeit unseres NABU- Regionalverbandes mit den örtlichen Wohnungsbaugesellschaften wurden bei diesen Baumaßnahmen auch viele geeignete Ersatz- quartiere geschaffen. So wurden z.B. bei der Fassadengestaltung Flachkästen in die Wär- medämmschicht eingebaut. Eine andere Mög- lichkeit boten die im Dachbereich vorhandenen und mit einer Lamellenkappe verschlossenen Lüftungslöcher. Durch Herausbrechen von zwei Lamellen wurden die Dachböden für Fleder- mäuse zugänglich gemacht.

Netzfang

Eine weitere Möglichkeit des Monitorings ist der Netzfang. Wir verwenden dafür feine Haarnetze in den Abmessungen ca. 10x3 m. Mittels dieser Methode gelang uns der Nachweis so bedeutender Arten wie Großes Mausohr, Mopsfledermaus und Graues Langohr.

Ein Braunes Langohr im Netz. Die Fäden sind so dünn, dass sie von den Fledermäusen nicht geortet werden können.
Ein Braunes Langohr im Netz. Die Fäden sind so dünn, dass sie von den Fledermäusen nicht geortet werden können.
Eine gerade gefangene Mopsfledermaus vor dem Abflug
Eine gerade gefangene Mopsfledermaus vor dem Abflug

Betreuung von Sommerquartieren

Die Erfassung von Sommerquartieren in und an Gebäuden und in Baumhöhlen ist aufwendig. Oft werden sie durch Hinweise aus der Bevölkerung oder zufällig entdeckt.

Der Dachboden mit der Mausohr- Kolonie nach den Umbauten
Der Dachboden mit der Mausohr- Kolonie nach den Umbauten

Die bedeutendste Fledermaus- Wochen- stube in unserer Region ist die des Großen Mausohrs auf dem Dachboden eines Einfamilienhauses mit durch- schnittlich ca. 80 adulten Weibchen. Bei dieser Größenordnung ist die Toleranz durch die Eigentümer schon nicht mehr selbstverständlich und Hilfe und Unter- stützung erforderlich. Zur Entlastung der Familie haben wir eine Zwischendecke eingezogen. Die Haupthangplätze wurden mit Brettern neu gestaltet, um weitere Beschädigungen der Unter- spannfolie zu vermeiden. Die Maus- ohren haben dies problemlos toleriert.

In den letzten Jahren hat sich der Bestand leicht erhöht. Anfang Juni 2015 wurden bei der Zählung des Ausflugs der adulten Weibchen 103 Tiere ermittelt.

Der Pfeil kennzeichnet die Spechthöhle mit den Wasserfledermäusen
Der Pfeil kennzeichnet die Spechthöhle mit den Wasserfledermäusen

 

 

 

 

Fledermausquartiere in Baumhöhlen verraten sich oft durch eine am Baumstamm herab- laufende schwarz-braune Spur, wie hier die Wochenstube der Wasserfledermaus mit 32 adulten Weibchen (2011) in einer Eiche in einem Schwedter Park. Solche Bäume gilt es zu bewahren. Besonders wenn sie in der Nähe von Wegen stehen, besteht immer die Gefahr einer Fällung aus Gründen der Verkehrssiche- rungspflicht. Bei der Stadtverwaltung der Stadt Schwedt haben wir dabei stets Verständnis und gemeinsam Lösungen gefunden.

Schaffung und Optimierung von Winterquartieren

In unserer Region gibt es nur wenige bekannte Fledermauswinterquartiere. Wir haben es deshalb zu einer unserer Hauptaufgaben gemacht, potentiell geeignete Quartiere zu finden, um diese entsprechend herzurichten bzw. zu optimieren. Hier einige Beispiele:

 

  • Im Zuge einer Straßenbegradigung der B2 bei Gartz sollte eine nicht mehr benötigte Brücke abgerissen werden. Nach von uns beantragter Änderung des Planfeststellungs- beschlusses wurde uns das betreffende Flurstück kostenlos übertragen und von uns als Winterquartier eingerichtet. Dazu wurde der eine vorher offene Bogen zugemauert und mit Einflugschlitzen und einer Kontrollöffnung versehen. Inzwischen sind hier das Braune Langohr, Fransen- und Wasserfledermäuse eingezogen. Hier die Brücke im Urzustand und nach dem Umbau:

 

  • Eine ehemalige Güllegrube wurde zur Isolierung mit einer Erdschicht überdeckt und die Öffnung mit einem geschlitzten Deckel versehen. Hier konnten wir schon 4 Arten nachweisen. Die Bilder zeigen die Einstiegsluke und ein Cluster darin überwinternder Wasserfledermäuse.
  • Inmitten der Feldmark nördlich von Gartz fanden wir einen noch intakten Keller eines nicht mehr vorhandenen Bauernhauses. Zum Glück haben wir handwerklich versierte Nabu- Mitglieder.Die Tür wurde zugemauert und mit einer einbruchsicheren Einstiegsluke versehen. Mit 3 überwinternden Arten ist dies inzwischen ein bedeutendes Winterquartier. NABU- Mitglied Klaus Warnhoff bei der Arbeit und das Ergebnis:

Leider haben wir es immer wieder mit Vandalismus zu tun, wie hier 2014 eine aufgebrochene Tür. Die im Keller winterschlafenden Fledermäuse haben das trotz des Kälteeinbruchs überstanden. Inzwischen ist ein fast einbruchsicherer Zugang installiert.

Winterquartierkontrollen

Regelmäßig werden Ende Januar alle bekannten Winterquartiere kontrolliert und die vorkommenden Arten und die Anzahl der Tiere erfaßt. 2012 war dabei überdurchschnittlich. Auch die in userer Region so seltenen Arten Mopsfledermaus, Großes Mausohr und Graues Langohr konnten wieder nachgewiesen werden.

Pfleglinge

Eine Zwergledermaus verspeist einen Mehlwurm
Eine Zwergledermaus verspeist einen Mehlwurm

Vor allem im Winter kommt es immer wieder vor, dass Fledermäuse in hilflosem Zustand gefunden werden. Hier sollte immer ein Sach- kundiger hinzugezogen werden, der vom NABU oder auch von der jeweiligen Unteren Natur- schutzbehörde vermittelt werden kann. Gegebenenfalls ist das Tier zu sichern, indem man es in einen kleinen mit einem Papierta- schentuch oder Stofftuch ausgelegten Karton setzt. Fledermäuse sollten immer mit Hand- schuhen angefasst werden, denn sie können schon mal kräftig zubeißen, wenn sie sich bedroht fühlen.

Außer bei offenen Brüchen oder inneren Verletzungen ist die Prognose nach unseren Erfahrun- gen meist gut. Oft reicht eine Pflege durch Versorgung mit Futter und Wasser, um die Tiere wieder fit zu machen. Sie gewöhnen sich recht schnell an das für sie neue Futter, in der Regel Mehlwürmer, und an die Prozedur und den Pfleger. In der Anfangsphase braucht man aber manchmal auch viel Geduld und Zeit. Im Extremfall hatten wir einmal 22 Zwergfledermäuse gleichzeitig über mehrere Wochen in Pflege, ehe sie wieder in die Freiheit entlassen werden konnten. Das bedeutete einen täglichen Zeitaufwand von 4-5 Stunden und zog sich oft bis Mitternacht und darüber hinaus hin.

In der Regel sind es Zwergfledermäuse, die uns gebracht werden oder abgeholt werden müssen. Aber auch Große Abendsegler, Breitflügel- und Zweifarbfledermäuse und im Ausnahmefall ein Kleinabendsegler hatten unsere Experten schon in Pflege

 

Dieser Kleinabendsegler wurde im Sept. 2011 völlig entkräftet in einem Vorgarten gefunden. Nach drei Wochen Pflege war er wieder hergestellt.
Dieser Kleinabendsegler wurde im Sept. 2011 völlig entkräftet in einem Vorgarten gefunden. Nach drei Wochen Pflege war er wieder hergestellt.
Nach Störung in ihrem Winterquartier 2012 mußte auch diese Breitflügelfledermaus zeitweilig in Pflege genommen werdenwerden
Nach Störung in ihrem Winterquartier 2012 mußte auch diese Breitflügelfledermaus zeitweilig in Pflege genommen werdenwerden